Cover: Blinde Menschen in der Ostmark 1938-1945


Blinde Menschen unter dem Hakenkreuz

Zwischen Integration, Kooperation und Vernichtung: Blinde Menschen unter dem NS-Regime in der "Ostmark" 1938-1945

Titelseite von Mein Kampf in Blindenschrift - das Bild zeigt das Hakenkreuz dargestellt in der Punktschrift aufgenommen im BBI in Wien. Fotocredit: Hoffmann

Abstract der Dissertation

In dieser Dissertation werden die Lebensumstände blinder Menschen in der „Ostmark“ unter dem NS-Regime in verschiedenen Teilaspekten, wie ihre ökonomischen und sozialen Verhältnisse, dargestellt. Rechtliche-, medizin-, und geschlechterspezifische Gesichtspunkte werden dabei mitberücksichtigt. Ursachen von Erblindungen sind dementsprechend ebenso Untersuchungsgegenstand, wie die NS-Gesetzgebung. Ziel war es ein möglichst detailliertes Bild der Lebensbedingungen blinder Menschen zu rekonstruieren. Dezidiert Teil der wissenschaftlichen Aufgabenstellung war es dabei, offene Fragestellungen, die sich zum Teil aus der lückenhaften Quellenlage ergaben sowie mögliche weiterführende herauszuarbeiten.

Die Untersuchung erfolgte zeitlich begrenzt und beginnt mit den Anfängen der NS-Herrschaft in der „Ostmark“ 1938 und endet mit der endgültigen Kapitulation des NS-Regimes im Mai 1945. Auf Entwicklungen außerhalb dieses Zeitraums wird dann eingegangen, wenn dies zur Interpretation und Einordnung notwendig ist.

Unter dem NS-Regime verteilten sich blinde Menschen auf drei verschiedene Gruppen: Zivilblinde, Kriegsblinde und blinde Menschen jüdischer Herkunft. Bereits seit dem Ersten Weltkrieg gab es ein Zweiklassensystem von Zivil- und Kriegsblinden. Auf Grund der antijüdischen Politik des NS-Regimes wurden zivil- und kriegsblinde Menschen jüdischen Herkunft verfolgt. Durch die vergleichende Betrachtung von Kriegs-, Zivil- und blinden Menschen jüdischer Herkunft konnten neue Erkenntnisse über die nationalsozialistische Gesellschafts- und Sozialpolitik gewonnen und bisher nicht bekannte Zusammenhänge aufgezeigt werden. Unter dem NS-Regime kam es zu einer starken Segregation unter blinden Menschen. Die Studie basiert auf einem umfangreichen Quellenkorpus, der in Österreich, Deutschland und Israel eingesehen wurde. Der Wert dieser Arbeit liegt darin, dass neue Bestände erschlossen und bereits bekanntes Archivmaterial unter neuen Gesichtspunkten interpretiert werden konnte.

Im Mai 2012 ist eine überarbeitete und gekürzte Fassung der Dissertation im Studienverlag erschienen.